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(29.12.2006)
Quelle: Attac Deutschland
Der Wissenschaftliche Beirat des globalisierungskritischen Netzwerkes
Attac kritisiert, dass die Bundesregierung das Programm für ihren
EU-Vorsitz ohne Beteiligung der Zivilgesellschaft festgelegt hat. "In
der deutschen Europapolitik scheinen öffentliche Debatten unerwünscht
zu sein", stellte Jörg Huffschmid, Professor für Politische Ökonomie
und Wirtschaftspolitik an der Universität Bremen, fest. Diese seien
aber dringend notwendig. Der Beirat hat eine Stellungnahme zur
deutschen EU-Ratspräsidentschaft erstellt, mit der er die öffentliche
Diskussion anstoßen möchte.
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So halten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen das Ziel für
verfehlt, die EU bis 2010 mittels eines rigorosen neoliberalen Kurses
zum weltweit wachstumsstärksten Wirtschaftsraum zu machen.
"Marktradikalität führt nicht zu ökonomischer Stärke und sozialer
Sicherheit, sondern hat Wachstumsschwäche, Arbeitslosigkeit, soziale
Polarisierung und ökologische Zerstörung zur Folge", sagte Jörg
Huffschmid. Als Alternativen nennt der Beirat einen
entwicklungsfreundlichen makroökonomischen Rahmen, eine entschiedene
Politik gegen die Armut in Europa, einen starken öffentlichen Sektor,
soziale und ökologische Mindeststandards, die Beendigung des
Steuerwettbewerbs sowie eine Politik der ökologischen Effizienz und
Suffizienz.
Auf starke Kritik stößt die zunehmende Militarisierung der
Europäischen Union, die sich unter anderem in steigenden
Militärausgaben äußert. "Die zunehmenden Waffenexporte aus der EU
tragen zur Verschärfung der Konflikte in Ländern bei, in denen die
Union oder ihre Mitgliedstaaten dann mit so genannten
Friedensmissionen militärisch intervenieren", sagte Tobias Pflüger,
Mitglied des Europäischen Parlamentes. Der Beirat fordert eine
deutliche Abrüstung, die Auflösung der so genannten Battle-Groups, die
Beendigung von EU-Militäreinsätzen und die ausschließlich
diplomatische und politische Bearbeitung von Konflikten sowie eine
Entwicklungspolitik, die auf eine eigenständige Entwicklung der Länder
setzt.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen sich ein für eine
demokratische, zukunftsoffene EU-Verfassung. Andreas Fisahn, Professor
für Öffentliches Recht an der Universität Bielefeld: "Der
Gestaltungsspielraum macht die Essenz von Demokratie aus. Diesem
Maßstab wird der vorliegende Verfassungsentwurf nicht gerecht."
Stattdessen erhalte der marktradikale Ansatz Verfassungsrang. Der
Wissenschaftliche Beirat fordert, den betreffenden dritten Teil
des Verfassungsentwurfes zu streichen. Scharf kritisiert wird zudem
Artikel 41 I (3), der Aufrüstung zum Gebot der Politik erklärt.
Andreas Fisahn: "Das ist inakzeptabel und muss durch ein klares Verbot
des Angriffskrieges und die Festlegung auf das Völkerrecht ersetzt
werden."
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Hintergrundinformation
Im Wissenschaftlichen Beirat von Attac Deutschland arbeiten fast 100
ProfessorInnen, WissenschaftlerInnen und ExpertInnen mit. Sie
vertreten ein breites Spektrum unterschiedlicher Fachrichtungen.
Engagiert sind Ökonomen, Soziologen, Politologen, Juristen,
Psychologen und Fachleute anderer Professionen. Ihnen gemeinsam ist
die Absicht, ihre Expertise in den Dienst des
globalisierungskritischen Netzwerks Attac Deutschland stellen.
Gegründet wurde der Beirat Ende 2001 als Beratungs- und
Forschungsgremium für Attac Deutschland. Der Wissenschaftliche Beirat
versteht sich nicht als Teil von Attac, sondern als unabhängiges
Gremium, das seine eigenen Einschätzungen vertritt.
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