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Forschungsreaktoren
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Weltweit gibt es einige Forschungsgruppen, die verschiedene Methoden der Kernfusion und Ansätze
zur Lösung technischer Teilprobleme untersuchen. In Deutschland ist die Fusionsforschung
im HGF-Verbund Kernfusion organisiert, der wiederum im
European Fusion Development Agreement (EFDA) eingebettet ist. EFDA wurde 1999 als Rahmenvertrag
zwischen der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) und seinen Partnern gegründet. Zudem haben sich
das Forschungszentrum Jülich mit belgischen und niederländischen Instituten zur Fusionsgemeinschaft TEC, dem
Trilateral Euregio Cluster verbunden.
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Experimentelle Ergebnisse der Fusionsforschung.
Seit den 1970er Jahren nähert man sich experimentell den Bedingungen eines Fusionsreaktors.
Der Einschlussparameter ist die Einschlusszeit τ des Plasmas multipliziert mit der Dichte ni der Ionen im Plasma.
Je größer dieser Parameter ist, desto mehr Atomkerne können pro Sekunde verschmelzen.
Die Temperatur ist in Kelvin angegeben und wird vom absoluten
Nullpunkt bei -273,15 °C aus gemessen. Grafik: nach Contemporary Physics Education Projekt.
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| Forschungsreaktoren (Auswahl) |
| Name | Typ | Hauptbetreiber | Anmerkung |
| Textor-94 | Tokamak | Forschungszentrum Jülich und Trilateral Euregio Cluster (TEC) | Kleiner Reaktor zur Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Plasma und Brennkammerwand. |
| Asdex Upgrade | Tokamak | Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, Garching | Größte deutsche Fusionsanlage. Liefert Daten für die Dimensionierung von ITER. |
| Wendelstein 7-X (im Aufbau) | Stellarator | Teilinstitut des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, Greifswald | Test eines optimierten Magnetfelds. Qualität des Plasmas soll dem eines Tokamak vergleichbar werden. |
| Jet | Tokamak | European Fusion Development Agreement (EFDA) | Weltweit größter Tokamak in Culham (GB), kurzzeitig Fusionsenergie im Bereich der Energie zur Plasmaheizung. |
| ITER (geplant) | Tokamak | Internationale Kooperation: China, Europa, Japan, Südkorea, Russland, USA | Der Reaktor soll erstmals einen deutlichen Netto-Energiegewinn liefern. |
JET
Im Rahmen des europäischen Übereinkommens zur Fusionsforschung (EFDA) wird im
englischen Culham der weltweit größte Tokamak betrieben, der JET (Joint European Torus).
Das Magnetfeld eines Reaktors vom Typ Tokamak, das das Plasma einschließt,
wird durch Spulen und zusätzlich duch elektrischen Strom im Plasma erzeugt.
Im JET wurden kurzzeitig bereits Plasmabedingungen erreicht, in denen durch Fusion genauso viel Energie erzeugt wurde,
wie zum Heizen des Plasmas hineingesteckt werden musste. Der Spitzenwert der Fusionsleistung liegt bei 16 Megawatt.
Auf den Forschungsergebnissen am JET und anderer Experimente basiert die Planung des Tokamaks der nächsten Generation:
ITER.
ITER
ITER, lateinisch "der Weg", ist ein geplanter Forschungsreaktor nach dem Tokamak-Prinzip.
An dem Gemeinschaftsprojekt sind Forschungsgruppen aus
China, Europa, Japan, Südkorea, Russland und den USA beteiligt. ITER soll der nächste große Schritt
der Entwicklung kontrollierter Kernfusion sein: Der Reaktor soll erstmals einen deutlichen Netto-Energiegewinn liefern.
Um das Projetziel zu erreichen, sind die geplanten
Ausmaße des Reaktors doppelt so groß wie die des JET; anvisiert werden 500 Megawatt Fusionsleistung.
Gleichzeitig ist ITER die Vorstufe zum ersten vollständigen Fusionskraftwerk,
der Demonstration Electricity-generating Power Plant (DEMO). Die politische Entscheidung zum Bau des ITER wurde am
28. Juni 2005 bekannt gegeben. Standort für die Forschungsanlage wird Cadarache in Südfrankreich sein, und die Bauzeit wird
voraussichtlich etwa zehn Jahre betragen.
Schwachpunkte des Tokamak: geringe Leistungsdichte,
Größe, Komplexität, Entwicklungskosten. Daher werden weltweit alternative
Reaktorkonzepte untersucht.
Sphärischer Torus: verkleinerte Ausgabe des Tokamak mit wesentlich engerem Torus.
Spheromak: kugelförmiges Plasma mit torusförmigen Strömungen, die das einschließende Magnetfeld selbst erzeugen;
ohne Transformator.
FRC: (Field-Reversed Configuration) kompaktes Torus-Plasma ist im Magnetfeld einer zylindrischen Spule eingeschlossen.
Für den Spheromak und den FRC sind selbstorganisierende Strömungsvorgänge im Plasma wesentlich,
die die einschließenden Magnetfelder selbst erzeugen.
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Schema des EFDA-JET. Typische Daten für die D-T-Fusion:
Plasmatemperatur = 100-200 Millionen °C;
Energieeinschlusszeit = 1-2 Sekunden;
zentrale Plasmadichte = 2-3x1020 Teilchen/m3 (etwa 1/1000 Gramm/m3).
Grafik: EFDA-JET, mit freundlicher Genehmigung.
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Fotos der Plasmakammer des EFDA-JET-Forschungsreaktors, links ohne und rechts mit Plasma.
Der Wasserstoff leuchtet nur am Rand der Kammer. Im Zentrum können die Wasserstoffatome kein Licht aussenden,
da sie dort wegen der extremen Temperatur völlig ionisiert sind. Foto: EFDA-JET, mit freundlicher Genehmigung.
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Schema des ITER. Für den geplanten Testreaktor sind supraleitende Spulen aus Niob-Zinn vorgesehen.
Sie sollen mit flüssigem Helium auf 4,5 K gekühlt werden und
an der Magnetfeldachse eine magnetische Flussdichte von B=5,7 Tesla erzeugen (Erdmagnetfeld um 45 µT).
Grafik: ITER, mit freundlicher Genehmigung.
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| Daten einiger Tokamaks |
| TEXTOR-94 | ASDEX Upgrade | JET | JT-60U | ITER (Stand 2001) |
| Land/Org. | Dtld. | Dtld. | GB EFDA | Japan | EU Japan Russland |
| gr. Radius | 1,75 m | 1,65 m | 2,96 m | 3,4 m | 6,2 m |
| toroid. Magnetfeld | 3,0 T | 3,9 T | 3,5 T | 4,0 T | 5,3 T |
| Plasmastrom | 0,8 MA | 2,0 MA | 7,0 MA | 5,0 MA | 15 MA |
| Pulslänge | 10 s | 10 s | 60 s | 15 s | 500 s |
Neutralteilchen- injektion | 4 MW | 20 MW | 21 MW | 40 MW insges. | 73 MW insges. |
Hochfrequenz- heizung | 4 MW | 6 MW | 42 MW |
| (nach Daten des Trilateral Euregio Cluster TEC) |
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