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Kalte Kernfusion
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Die Elektrochemiker Stanley Pons und Martin Fleischmann forschten damals an der Universität
von Utah in Salt Lake City, USA. Im März 1989 verkündeten sie auf einer Pressekonferenz, dass
ihnen auf ihrem Labortisch vermutlich die Kernfusion von schwerem Wasserstoff (Deuterium) gelungen sei.
Diese kalte Kernfusion hätte demnach bei Zimmertemperatur stattgefunden,
während dies eigentlich nur bei Temperaturen wie in der Sonne möglich sein sollte (heiße Kernfusion,
vgl. Kernfusion im Überblick).
Falls die Behauptung der beiden Wissenschaftler wahr ist, kann mit geringem Aufwand
und geringen Kosten eine weitgehend saubere und unerschöpfliche Energiequelle
angezapft werden. Es verdichten sich die Hinweise, dass an der Behauptung etwas dran ist.
Die Behauptung: Bei der Elektrolyse von schwerem Wasser (D2O) gibt die Palladium-Elektrode
mehr Energie ab, als elektrisch in sie hineingesteckt wird. Die Überschussenergie wird
durch Kernverschmelzung von je zwei Kernen des schweren Wasserstoffs (Deuterium) zu Helium erzeugt.
Die Indizien: sind der gemessene Temperaturanstieg und mangelnde andere Erklärungen
des Energieüberschusses, zum Beispiel durch chemische Reaktionen.
Der Einwand: Es gab keine erkennbaren oder gemessenen Reaktionsprodukte, die auf eine Kernreaktion
hindeuten.
Die Spekulation: Die Kerne des schweren Wasserstoffs (Deuteronen) verschmelzen durch einen unbekannten und unauffälligen
Mechanismus zu Helium.
Die Reproduktionsversuche: Es wurde versucht, das Experiment von Pons und Fleischmann nachzuvollziehen.
Sporadisch wurden Erfolge gemeldet, größtenteils jedoch Misserfolge.
Bereits nach wenigen Wochen kristallisierte sich bei den Wissenschaftlern weltweit das Urteil heraus.
Das Urteil: Bei dem von Pons und Fleischmann beschriebenen Effekt muss es sich um einen Fehler
des Experiments handeln, weil:
1. Es ist kein Mechanismus bekannt, der die Deuteronen bei Zimmertemperatur gegen ihre
elektrischen Abstoßungskräfte so nahe zusammenbringt, dass sie verschmelzen.
2. Falls sie sich doch irgendwie einander genügend nähern können, werden die üblichen
Reaktionsprodukte erwartet, hauptsächlich Tritium, Protonen, Helium-3 und Neutronen.
3. Bei der Verschmelzung zu Helium-4 wird Gammastrahlung frei, die weder direkt noch indirekt nachgewiesen wurde.
4. Ein unbekannter Reaktionsmechanismus wird von vornherein ausgeschlossen.
Bemerkung zur Reproduzierbarkeit
Ergebnisse wissenschaftlicher Experimente müssen reproduzierbar sein, sie sollen also von anderen
unabhängigen Forschern mit vergleichbaren Ergebnissen durchführbar sein. Das ist eine
Bedingung wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns. Denn ein Experiment, das nicht nachvollziehbar ist,
hat keine Aussagekraft.
Seine Ergebnisse könnten auf Messfehlern, Schlamperei, Fehlinterpretationen,
Selbsttäuschung, Täuschung und so weiter beruhen.
Ein nicht oder sporadisch wiederholbares Experiment könnte allerdings auch auf ein neu entdecktes und
unverstandenes Naturphänomen hindeuten. Einen Effekt, dessen Ursache niemand versteht, kann man
nicht unbedingt kontrolliert hervorrufen.
Übrigens: Wer nie ausgetrampelte Denkpfade verlässt, wird nichts Neues entdecken.
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Kalte Kernfusion. Das Metall Palladium kann in sein Kristallgitter (blau) viel Deuterium (rot) aufnehmen.
Ist es möglich, dass unter bestimmten Bedingungen Deuteriumkerne mithilfe des Palladiums schon bei
Zimmertemperatur verschmelzen?
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Palladium (Pd), Ordnungszahl 46, ist ein stahlfarbenes Schwermetall.
Heißes Pd-Blech ist durchlässig für Wasserstoffgas.
Bei Raumtemperatur kann Pd mehr als das Tausendfache seines Volumens an Wasserstoff aufnehmen.
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Deuterium (D) ist ein Isotop des Wasserstoffs,
so genannter "schwerer Wasserstoff".
Sein Kern besteht aus einem Proton (p) und einem Neutron (n). Der Kern des Wasserstoffs (H)
besteht dagegen aus nur einem Proton. Chemisch verbinden sich H und D mit Sauerstoff (O) zu (leichtem) Wasser, H2O,
und schwerem Wasser, D2O. 1000 kg Wasser enthalten größtenteils H2O und nur etwa 0,15 kg D2O.
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Forschung im Hintergrund
Trotz der Ablehnung durch die wissenschftliche Hauptströmung, wurde weltweit die vermutete kalte Fusion weiter erforscht.
Inzwischen gibt es eine unüberschaubare Zahl wissenschaftlicher Experimente und
Veröffentlichungen zu diesem Thema. Es wurden verschiedene experimentelle Ansätze
verwendet. Vielfach wurde deutliche Überschusswärme produziert. Ebenso wurden
bei den Experimenten chemische Elemente registriert, die vorher nicht da waren, zum Beispiel Tritium.
Teilweise wurde Röntgen- oder Neutronen-Strahlung nachgewiesen. Im Internet werden die Dokumente unter der Adresse
http://www.lenr-canr.org gelistet und teilweise zum Download bereitgestellt.
Häufig wird die kalte Kernfusion durch folgende Begriffe umschrieben: niederenergetische Kernreaktionen,
low energy nuclear reactions (lenr), chemisch unterstützte Kernreaktionen, chemical assisted
nuclear reactions (canr).
2004 wurde die kalte Kernfusion erneut vom US-Energieministerium unter die Lupe genommen.
Mehrere wissenschaftliche Arbeiten zum Thema wurden von Experten begutachtet. Deren abschließende
Beurteilung lässt sich etwa so zusammenfassen: Überschussenergie wird möglicherweise
tatsächlich erzeugt. Ob sie durch niederenergetische Kernfusion hervorgerufen wird, konnte bisher nicht
einwandfrei nachgewiesen werden. Es besteht weiterer Forschungsbedarf.
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Experimentelle Methoden
Seit 1989 werden verschiedene experimentelle Ansätze der kalten Fusion untersucht, die sich mehr oder weniger stark
vom ursprünglichen Versuchsaufbau unterscheiden. Auch dabei wurden und werden anomale Effekte wie Überschussenergie und
vermutete Kernreaktionen dokumentiert. Unter anderem wird experimentiert mit unterschiedlichen Elektrodenmaterialien, leichtem
statt schweren Wasser, stark erhöhter Elektrolysetemperatur, Laser- und Hochfrequenz-Einstrahlung sowie Plasmaelektrolyse.
Anomale Energie und Reaktionsprodukte werden auch bei Methoden registriert, die keine Elektrolyse anwenden,
beispielsweise wenn Palladiumpulver unter Druck sehr reinem Deuteriumgas ausgesetzt wird.
Herausgefunden werden muss, unter welchen Bedingungen Überschusswärme erzeugt wird oder ungewöhnliche
Reaktionsprodukte auftreten.
Zu den Versuchsbedingungen der Elektrolyse beispielsweise gehören die elektrische Stromdichte,
das Kathodenmaterial (Verunreinigungen, Legierung,
Oberflächenstruktur usw.), die Temperatur und die Sättigung des Palladiums mit Deuterium.
Produkte aus eventuellen Kernreaktionen
In einem heißen Plasma (übliche Kernfusion, heiße Fusion), beispielsweise in der Sonne,
kann Deuterium mit Deuterium verschmelzen
zu Tritium (T: 1 p, 2 n), Helium-3 (He3: 2 p, 1 n) oder Helium-4 (He4: 2 p, 2 n). Bei dieser heißen
Fusion wird Energie freigesetzt und jeweils ein Proton, Neutron oder Gammaquant ausgesendet. Drei Reaktionswege
sind möglich:
| 1. D + D → T + p + 4,0 MeV |
| 2. D + D → He3 + n + 3,3 MeV |
3. D + D → He4 + γ + 23,9 MeV (Wahrschlichkeit dieser Reaktion < 1%) |
Bei der kalten Kernfusion wurden folgende Reaktionsprodukte registriert.
Helium-4 wurde bei einer Reihe von Experimenten nachgewiesen. Bei der heißen Fusion von zwei Deuteriumkernen zu Helium-4 wird
Gammastrahlung frei, die bei der kalten Fusion anscheinend fehlt. Die Gammastrahlung ist notwendig, damit Energie und Impuls
vor und nach der Kernreaktion gleich sind. Ein theoretisches Modell der kalten Fusion muss daher andere Mechanismen bereithalten,
die für eine ausgeglichene Energie-Impuls-Bilanz sorgen.
Tritium wurde nur in wenigen Fällen nachgewiesen, und seine geringe Menge entspricht nicht der jeweils
gemessenen Überschussenergie.
Neutronen wurden meistens in Form von Strahlungsausbrüchen nachgewiesen.
Weitere Reaktionsprodukte wurden bei einigen Experimenten dokumentiert. Dabei
handelt es sich teilweise um radioaktive Isotope mit kurzer Halbwertszeit.
Meistens wurden jedoch Metalle in
Konzentrationen nachgewiesen, die sich nicht durch Verunreinigungen erklären lassen. Da hierbei
Umwandlungen chemischer Elemente vermutet werden, wird eine solche Reaktion auch Transmutation genannt.
Das ist schwer zu glauben. Aber es geht hier nicht um Glauben.
Es soll herausgefunden werden, ob dieser Effekt tatsächlich stattfindet,
und falls dies so ist, wie und warum er stattfindet.
Offene Fragen
Das theoretische Modell, dass niederenergetische Kernreaktionen erklären soll, muss mehrere kritische Fragen beantworten können.
1. Wie werden die elektrostatischen Abstoßungskräfte der Atomkerne überwunden,
ohne dass eine entsprechend hohe Energie zugeführt werden muss?
2. Wie wird die bei der Kernverschmelzung frei werdende Energie abgeführt, ohne dass entsprechend energiereiche
Strahlung ausgesendet wird?
3. Welche speziellen Bedingungen lösen die kalte Kernfusion aus?
Um diese Fragen zumindest teilweise zu beantworten, wurden viele Modellvorstellungen entwickelt. Beispiele:
• Mehr oder weniger freie Neutronen im Material unterstützen den Fusionsprozess.
Denn da Neutronen anders als Protonen elektrisch neutral sind, werden sie von anderen Kernteilchen nicht elektrisch abgestoßen.
• Mehrerer Deuteriumkerne wechselwirken gleichzeitig und ermöglichen die kalte Fusion
innerhalb dieses Clusters (Vielkörper-Fusion, multi-body fusion).
• Die Schwingungen des Kristallgitters (Phononen) der Kathode bringen die Deuteriumkerne nahe zusamenbringt.
• und viele andere mehr
Die erschöpfende Theorie der niederenergetischen Kernreaktionen, die alle Fragen beantwortet und mit deren Hilfe sich der
Fleischmann-Pons-Effekt leicht reproduzieren oder sogar verstärken lässt steht noch aus.
Übrigens: Die Hypothese der Skeptiker, dass alle Hinweise auf kalte Kernfusion experimentelle Fehler sind, ist
bisher nicht bewiesen.
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Versuchsaufbau nach Fleischmann und Pons (kalorimetrische Elektrolysezelle)
Das wärmeisolierende Gefäß (Dewar-Gefäß, Thermoskannenprinzip) befindet sich in einem Wasserbad
konstanter Temperatur. Die Platin-Anode umgibt die Palladium-Kathode wendelförmig. Zwei Thermistoren (wärmeempfindliche
Widerstände) messen die Temperatur an verschiedenen Stellen. Der Heizwiderstand dient dazu, das Temperaturverhalten
des Gefäßes zu ermitteln (Kalibrierung). Gasförmige Elektrolyseprodukte können durch den Gas-Auslass entweichen.
Im länglich geformten Kalorimeter wird der Inhalt durch Gasbläschen (D2 und O2), die an den Elektroden aufsteigen, gut durchmischt.
(Es werden heute auch viele andere Versuchsaufbauten verwendet.)
In der Zelle läuft die Elektrolyse des schweren Wassers (D2O)
unter Beimischung von Lithiumdeuteroxid (LiOD, 1 mol) ab. Das LiOD ist eine Base und macht die Lösung
elektrisch leitend. (In der Verbindung mit Wasserstoff, als LiOH oder Lithiumhydroxid, wird es in U-Booten und
Raumschiffen zur Luftreinigung eingesetzt, da es CO2 bindet.)
Messprinzip der produzierten Wärmemenge.
Die bei der Elektrolyse produzierte Wärmeenergie wird mithilfe der
Wärmestaumethode (isoperibolisches Kalorimeter) gemessen: Aus der Temperaturdifferenz
zwischen Elektrolyt und Umgebung aufgrund des "Wärmestaus" im Gefäß wird die bei der Elektrolyse
abgegebene Wärmeleistung berechnet. Um zu wissen, wie sich die Temperatur des Kalorimeters bei Wärmezufuhr verhält,
wird es mithilfe des Heizwiderstands kalibriert.
Der Versuchsaufbau muss so gestaltet sein, dass die
Temperatur in der gesamten Zelle möglichst gleich ist. Würden Sie z. B. an der wärmsten Stelle messen,
könnten Sie die Temperatur als hohe Wärmeproduktion interpretieren, falls Sie annehmen,
dass in der gesamten Zelle diese Temperatur herrscht.
Die pro Sekunde erzeugte Gasmenge kann aus der Elektrolyse-Stromstärke berechnet werden.
Daraus ergibt sich die chemische Energie, die der Zelle durch ausströmendes Gas verloren geht.
Die dem Kalorimeter zugeführte
Leistung ist P=U·I mit der Elektrolyse-Spannung U und dem Elektrolyse-Strom I.
Mit diesen Werten kann die Überschusswärme berechnet werden.
Die ausführliche Behandlung des Themas bieten diese externen Links:
M. Fleischmann, M. H. Miles
The "Instrument Function" of Isoperibolic Calorimeters; Excess Enthalpy Generation due to the Parasitic Reduction of Oxigen
http://www.lenr-canr.org/ acrobat/Fleischmantheinstrum.pdf
Edmund Storms
Calorimetry for Cold Fusion - Methods, Problems and Errors
http://www.lenr-canr.org/ acrobat/StormsEcalorimetr.pdf
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Erste Veröffentlichung zur anomalen Energieproduktion bei der Elektrolyse:
M. Fleischman, S. Pons, M. Hawkins: Electrochemically induced nuclear fusion of deuterium,
J. Electroanal. Chem., 1989, Vol. 261, p. 301 (Errata in Vol. 263)
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