Ihr Unterbewusstsein weiß mehr, als Sie glauben

Unser Bauchgefühl hat oft Recht. Warum solche Vorahnungen häufig zutreffen, erschließt sich dem Bewusstsein meist nicht. Wie sich dennoch unbewusstes Wissen erschließen lässt, haben Psychologen in Kanada kürzlich mit einem nicht alltäglichen Forschungsinstrument demonstriert.

Die Psychologen erforschen an der Universität von British Columbia im Inner Intelligence Project das Unterbewusstsein. Wie viele Informationen tragen wir mit uns herum, die uns gar nicht bewusst sind? Wie können wir darauf zugreifen? Solche Fragen versuchen die Forscher des Projekts zu beantworten. Dazu haben benutzen sie ein Hilfsmittel, um das Schulwissenschaftler üblicherweise einen Riesenbogen machen: das Ouija-Brett. Es wird seit dem 19. Jahrhundert verwendet, um damit in spiritisctischen Sitzungen vermeintlich Kontakt zu Verstorbenen oder Geistwesen aufzunehmen.

Typisches Ouija-Brett mit daraufgestelltem Zeiger

Typisches Ouija-Brett mit daraufgestelltem Zeiger. Foto: Kelly Wilkieson, Inner Intelligence Project

Auf dem Ouija-Brett sind meist das Alphabet, die Ziffern 0 bis 9 sowie die Wörter „ja“ und „nein“ aufgezeichnet. Zusätzlich gibt es einen Zeiger, der sich auf dem Ouija-Brett bewegen lässt und der auf diese Zeichen deuten kann. Die Anwender legen ihre Finger darauf und stellen eine Frage. Dann warten sie, bis sich der Zeiger auf dem Brett bewegt und Zeichen anzeigt. Nacheinander gelesen ergeben sie die Antwort oder eine Botschaft.

Die Forscher nutzten das Ouija-Brett, um die Versuchspersonen dazu zu bringen, allgemeine Wissensfragen unbewusst zu beantworten. Sie gingen dabei davon aus, dass die Ouija-Bewegungen durch unbewusste Bewegungen der Ouija-Anwender verursacht werden. Bei solchen ideomotorischen Handlungen erzeugt die Vorstellung einer bestimmten Bewegung tendenziell eben diese Bewegung. Der Effekt ist der Psychologie seit Jahrzehnten bekannt und kann zumindest gemächliche Bewegungen des Ouija-Zeigers erklären.

Wenn diese Bewegungen tatsächlich unbewusst gesteuert sind, ist das Ouija-Brett nach Ansicht der Wissenschaftler eine großartige Möglichkeit, das Unterbewusste direkt zu studieren und es zu befragen.

Versuchsablauf

Bei jedem Versuchsdurchgang spielten jeweils zwei Teilnehmer mit dem Ouija-Brett, ein Teilnehmer war jeweils in den Zweck des Experiments eingeweiht, der andere war die Versuchsperson.

Ouija-Brett mit zwei Anwendern

Ouija-Brett mit zwei Anwendern. Foto: Sarah Mae Worden, Inner Intelligence Project

Damit der ideomotorische Effekt wirkt, muss die Versuchsperson glauben, dass jemand anderes zusammen mit ihr den Quija-Zeiger bewegt.

Die Teilnehmer wurden unter einem Vorwand angewiesen, undurchsichtige Augenmasken zu tragen. Nachdem die Versuchsperson ihre Augenmaske aufgesetzt hatte, spielte der eingeweihte Teilnehmer nicht mehr mit. Ab dann bewegte die Versuchsperson das Ouija-Brett somit alleine.

Der Versuchsperson wurden daraufhin einige allgemeine Wissensfragen gestellt. Sie hatte dabei die Illusion, dass zur Beantwortung jemand gemeinsam mit ihr den Quija-Zeiger bewegte.

Versuchsergebnis

Für Fragen, deren Antworten die Versuchspersonen nicht zu kennen glaubten:

  • Mithilfe des Ouija-Bretts beantworteten die Versuchspersonen durchschnittlich fast 65% der Fragen richtig.
  • In einem Kontrollexperiment beantworteten dieselben Versuchspersonen bei einem „Computer-Quiz“ die Fragen durchschnittlich zu 50% richtig. Das entspricht der zufälligen Trefferwahrscheinlichkeit, wenn die richtige Antwort geraten wird.

Für Fragen, deren Antworten die Versuchspersonen zu kennen glaubten:

  • Per Ouija-Brett und im „Computer-Quiz“ erzielten die Versuchspersonen etwa gleich viel richtige Antworten.

Deutung

Die beteiligten Wissenschaftler deuteten die Versuchsergebnisse folgendermaßen.

  • Mithilfe der Ouija-Bretter wird unbewusstes Wissen durch einen unbewussten Mechanismus ausgedrückt.
  • Der unbewusste Mechanismus greift auf verborgene Informationen zu, die dem Bewusstsein nicht zugänglich sind.
  • Die willentliche Reaktion auf eine Frage kann die korrekte ideomotorische Reaktion unterdrücken, wenn jemand  die richtige Antwort zu wissen glaubt.
  • Unser Unterbewusstsein ist schlauer als unser Bewusstsein. Wir alle sind daher schlauer, als wir meinen.

Das Ouija-Experiment wird im Video erläutert.

Vergleichbare Effekte?

Von den Wissenschaftlern des Inner Intelligence Project wurde nur das Ouija-Brett als experimentelles Hilfsmittel genutzt. Könnten nicht auch andere und viel länger bekannte „esoterische Messgeräte“ auf unbewusstes Wissen oder Erkennen zugreifen? Solche Messgeräte könnten das Pendel und die Wünschelrute sein.

Links

Inner Intelligence Project
http://www.innerintelproject.org

Hélène L. Gauchoua, Ronald A. Rensinka, Sidney Felsc: Expression of nonconscious knowledge via ideomotor actions; Consciousness and Cognition, Volume 21, Issue 2, June 2012, Pages 976–982, doi: 10.1016/j.concog.2012.01.016
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1053810012000402

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