Remote-Viewing-Experiment: Börsengewinn durch „außersinnliche“ Wahrnehmung

Studenten der Universität von Colorado konnten durch Remote Viewing oder Fernwahrnehmung Schwankungen an der US-amerikanischen Aktienbörse vorhersehen. Mit diesem Wissen haben sie mehrere zehntausend Dollar Gewinn erzielt. Die Forschungsgeschichte verborgener Wahrnehmungsmechanismen kann mehrere solcher finanziellen Erfolge verbuchen.

Die Studie war ein Kurs-Projekt an der Universität von Colorado in Boulder mit dem Titel „Edges
of Science“ („Grenzbereiche der Wissenschaft“). Entsprechend eingeschränkt war die Zahl der Versuchsdurchgänge. Die Ergebnisse wurden schon 2010 auf dem jährlichen Treffen der Society for Scientific Exploration vorgestellt [ siehe unten Video (englisch) ]. Kürzlich wurden die Details im Journal of Scientific Exploration veröffentlicht [ 1 ].

Beispiel: eindeutiges Ergebnis einer Remote-Viewing-Sitzung. Zum korrekten Ergebnis gehört das rechte Foto. Quelle: C. C. Smith, D. Laham, and G. Moddel, Standbild aus dem Video, s.u.

Beispiel: eindeutiges Ergebnis einer Remote-Viewing-Sitzung. Zum korrekten Ergebnis gehört das untere Foto. Quelle: C. C. Smith, D. Laham, and G. Moddel, Standbild aus dem Video, s.u.

Die Praxis des Remote Viewing wurden in den 1970er Jahren am Stanford Research Institute im kalifornischen Menlo Park entwickelt. Wesentlich daran beteiligt waren der Bewusstseinsforscher Ingo Swann sowie die Physiker Harold Puthoff und Russell Targ. Mithilfe des Remote Viewing soll ein Anwender Informationen über einen Ort, eine Person oder eine Handlung ermitteln können, unabhängig vom räumlichen oder zeitlichen Abstand und ohne herkömmliche Wahrnehmungen. Im Deutschen wird das Verfahren auch Fernwahrnehmung genannt. Es gibt zahlreiche Varianten des Remote Viewing. Eines dieser Protokolle ist das assoziative Remote Viewing. Damit soll prinzipiell das Ergebnis einer zukünftigen Entwicklung vorausgesehen werden können, wenn nur zwei Ergebnisse möglich sind.

Prinzip des Experiments

Zehn unerfahrene Remote Viewer versuchten die Entwicklung des Dow-Jones-Index der US-amerikanischen Börse für jeweils einen Börsentag vorauszusagen. Bei jedem Durchgang des Experiments musste jeder Viewer eines von zwei Fotos viewen (fernwahrnehmen), die für ihn unsichtbar waren.

Und zwar musste er dasjenige viewen, das ihm etwa zwei Tagen später gezeigt werden würde. Welches das sein würde, wusste niemand. Denn das eine Foto würde nach gestiegenem Dow-Jones-Index gezeigt, das andere nach gefallenem Dow-Jones-Index.

Rückkopplung

Das sehen des Fotos, das dem tatsächlichen Verhalten des Dow-Jones-Index zugeordnet war, schloss den Kreis. Denn die Versuchsteilnehmer sollten wenige Tage zuvor eben dieses ihnen nun gezeigte Foto viewen.

Beispiel: mehrdeutiges Ergebnis einer Remote-Viewing-Sitzung. Zum korrekten Ergebnis gehört das rechte Foto. Quelle: C. C. Smith, D. Laham, and G. Moddel, Standbild aus dem Video, s.u.

Beispiel: mehrdeutiges Ergebnis einer Remote-Viewing-Sitzung. Zum korrekten Ergebnis gehört das untere Foto. Quelle: C. C. Smith, D. Laham, and G. Moddel, Standbild aus dem Video, s.u.

Die Art und Wichtigkeit eines solchen Rückkopplungs-Ereignisses ist Teil der Remote-Viewing-Forschung. Beispielsweise wird von vielen Forschern angenommen, dass ein Viewer leichter auf ein deutliches Rückkopplungs-Ereignis anspringt, als auf ein undeutliches. Ein emotionsgeladenes Ereignis könnte in diesem Zusammenhang etwa eine feierliche Enthüllung verbunden mit einem echten Gewinn sein.

Wenn solch ein Ereignis tatsächlich vorausgesehen werden kann, stellt sich die Frage, inwieweit zukünftige Ereignisse vorbestimmt sind. Auch dies ist eine offene Frage. Vielen Remote Viewern scheinen sich zukünftige Ereignisse eher aus Ereignisketten zu entwickeln. Jedes dieser miteinander verketteten Ereignisse tritt demnach mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ein und führt wiederum zu einem der mit ihm verketteten Ereignisse.

Auswahl der Fotos

Die Fotos entstammen einer Sammlung von Fotos, die beliebige Objekte oder Szenen darstellten. Als einzige Einschränkung mussten die beiden Fotos jedes Durchgangs möglichst unterschiedlich sein. Dadurch konnten sie den Skizzen der Viewer einfacher zugeordnet werden, die sie während der Fernwahrnehmung zeichneten.

Die Fotos wurden durch einen Münzwurf eingeteilt in zwei Gruppen, die für eine positive und negative Börsenentwicklung an dem jeweiligen Tag standen (entsprechend des Dow-Jones-Index). Ein unabhängiger Versuchsteilnehmer druckte ein Foto jeder Gruppe für die Viewing-Sitzung aus und versiegelt es in einem datierten Umschlag.

Ablauf des Experiments

Die zehn unerfahrenen Remote Viewer waren neun Studenten und ein Professor der Universität von Colorado, drei Frauen und sieben Männer. Alle paar Tage absolvierten sie einen Durchgang des Experiments. An den sieben Durchgängen nahmen jeweils neun oder zehn der Viewer teil, je nach dem, wie sie dafür Zeit erübrigen konnten.

Jeder Durchgang des Experiments bestanden aus fünf Schritten.

Schritt 1: Aufgabenstellung

Die Viewer mussten jeder für sich dasselbe ihnen unbekannte Foto viewen. Dazu hatten sie fünf Minuten Zeit. Das Foto sollte ihnen jeweils vor der nächsten Viewing-Sitzung gezeigt werden.

Schritt 2: Remote Viewing

Die Remote Viewer skizzierten das Foto nach Gefühl und notierten Merkmale, die ihnen dazu in den Sinn kamen.

Schritt 3: Beurteilung

Ein Schiedsrichter verglich die Skizzen mit den beiden vorher ausgewählten Fotos und ordnete sie entsprechend ihrer Ähnlichkeiten einander zu. Das Foto, dem die meisten Skizzen zugeordnet wurden, entschied die Art der Börsentransaktion. Der Schiedsrichter wusste hierbei nicht welches Foto welche Börsenentwicklung symbolisierte.

Schritt 4: Börsentransaktion

Entsprechend der Beurteilung in Schritt 3 wurden am nächsten Börsentag Optionen gekauft und kurz vor Börsenschluss verkauft.

Schritt 5: Rückkopplung

Den Remote Viewern wurde nur das Foto gezeigt, das dem tatsächlichen Kursverlauf an der Börse entsprach. Dieser Schritt ist besonders wichtig. Denn er erzeugt das von den Viewern wenige Tage zuvor geviewte Ereignis und schließt den Kreis.

Versuchsergebnisse

Alle sieben Durchgänge des Experiments sagten die Börsenentwicklung korrekte voraus.

Finanziell zahlte sich das so aus: Mit der ursprünglich investierten Summe von 10.000 US-Dollar machten die Forscher bis zum Ende des Durchgangs 5 einen Gewinn von nahezu 16.000 US-Dollar. Die Durchgänge 6 und 7 bezogen sich auf Börsentage mit nur kleinen Marktschwankungen. Trotz korrekter Voraussagen ergaben sich kleine Verluste, aufgrund der Mechanismen des Optionshandels. Ein Terminierungsfehlers nach dem Durchgang 7 ergab trotz ebenfalls korrekter Voraussage der Börsenentwicklung einen Verlust von 12.000 US-Dollar. Ohne den Terminierungsfehler hätten die Forscher nach dem letzten Durchgang einen Gewinn von etwa 28.000 US-Dollar erzielt.

Stock market prediction using associate remote viewing with untrained viewers, C. C. Smith, D. Laham, and G. Moddel, Presentation at the Annual Meeting of the Society for Scientific Exploration, June 10-12, Boulder, CO, 2010

Wie aussagekräftig ist das Ergebnis?

Wenn die Voraussagen zufällig erzielt wurden, ist das Ergebnis mit sieben Treffern neben einem Ergebnis mit sieben Fehlschlägen das unwahrscheinlichste. Am weitaus wahrscheinlichsten wären drei oder vier Treffer gewesen. Dennoch kann es ein Glückstreffer gewesen sein. Je mehr solcher Glückstreffer es gibt, desto eher lässt sich vermuten, dass sie keine Zufälle sind.

Einerseits bleiben daher zukünftige Experimente dieser Art abzuwarten, andererseits gab es bereits ähnliche Experimente, wie auch die Forscher selbst berichten:

Frühere Experimente mit Börsengeschäften

Hal Puthoff, Pionier der Remote-Viewing-Forschung, sagte 1982 die Entwicklung von Silber-Termingeschäften voraus. Gewinn: etwa 250.000 US-Dollar. Puthoffs Anteil waren 10 Prozent, mit denen er eine Waldorf-Schule unterstützte.

In demselben Jahr sagten die Forscher Russell Targ und Keith Harary durch assoziatives Remote Viewing ebenfalls Silber-Termingeschäften voraus, um ihre Forschung zu finanzieren. Gewinn: 120.000 US-Dollar.

Im Folgejahr setzte Targ die Termingeschäfte fort. Dabei experimentierte er mit den Details im Ablauf des asooziativen Remote Viewing. Beispielsweise unterrichtete er die Viewer erst nach dem jeweils folgenden Durchgang vom Ergebnis des Versuchs. Die Erfolgsquote verringerte sich dadurch.

1995 richtete Targ sich wieder nach dem ursprünglichen Versuchsablauf und erzielte damit erneut deutliche Gewinne.

Andere Experimente mit assoziativem Remote Viewing wurden und werden informell oder als private Forschungen durchgeführt. Manche dieser Unternehmungen sind im Internet zu finden. Smith, Laham und Moddel nennen in dieser Hinsicht Greg Kolodziejzyk, der von 1998 bis 2011 zahlreiche Voraussage-Versuche unternahm. Nach Einbau mehrerer Fehlerkorrektur-Mechanismen in das Verfahren erzielte er eine Gesamt-Erfolgsquote von 70 Prozent und einen Gewinn von 146.587,30 US-Dollar. Im kleineren Rahmen wird Remote Viewing von Hobby-Anwendern gern bei Sportwetten angewendet.

Zufall, (Selbst-)Täuschung oder echter Effekt? Jeder Mensch mit analytischem Denkvermögen, entsprechender Information, Vorbereitung sowie Sorgfalt kann solche Experimente nachmachen und beurteilen.

Jenseits der Finanzmärkte

Wenn assoziatives Remote Viewing und damit der Blick in die Zukunft tatsächlich funktioniert, wird sich dies nur auf die Finanzmärkte auswirken? Wird dann der Kapitalismus noch wahnsinniger Werden? Oder wird die neue Wahrnehmung des Zeit zu einem neuen Bewusstsein führen? Denn unsere Wahrnehmung wäre offensichtlich nicht an das hier und jetzt in unserem Schädel gebunden? Die vorherrschenden Vorstellungen von Bewusstsein, Raum und Zeit wären veraltet.

Quellen + Links

[ 1 ] Christopher C. Smith, Darrell Laham, Garret Moddel: Stock Market Prediction Using Associative Remote Viewing by Inexperienced Remote Viewers; Journal of Scientific Exploration, Vol. 28, No. 1, pp. 7–16, 2014
http://psiphen.colorado.edu/Pubs/Smith14.pdf

PsiPhen Lab
http://psiphen.colorado.edu

Journal of Scientific Exploration
http://www.scientificexploration.org/journal/

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