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Finale Handlungsszenarien
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| Claudius Gros |
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Gibt es die Möglichkeit, dass wir Menschen, dass die Menschheit als Ganzes immer alles gut und richtig macht und am Ende doch als Verlierer dasteht?
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Viel spricht man heute von Fehlentwicklungen, die es zu korrigieren gilt, vom fatalen Raubbau an der Natur und ähnlichem. Wir sprechen also von
Handlungen und Plänen, die wir besser unterlassen sollten, da deren negative Konsequenzen absehbar sind. Vorhersehbar gemäß dem Stand heutiger
naturwissenschaftlicher und soziologischer Erkenntnissen, vorhersehbar, dass die Konsequenzen dieser Handlungen den Lebensbedingungen auf dem
Planeten Erde abträglich wären.
Das sollte eigentlich der leichte Teil sein: Etwas nicht zu machen von dem man weiß, dass es falsch ist. Doch selbst dieses
fällt uns häufig schwer, es fällt uns schwer, auch relativ offensichtliche Fehler zu vermeiden. Und zwar dann, wenn wir Menschen als Gesamtheit handeln.
Es gibt fast immer dringende Bedürfnisse irgendwelcher Untergruppen, welche zu wirtschaftlichen und sozialen Zwängen führen, so dass die Menschheit als
Ganzes in diesem Sinne häufig unvernünftig handelt und, um bei diesem Beispiel zu bleiben, den fortschreitende Raubau an der Biosphäre nicht verhindern
kann.
Wie aber, wenn es Entwicklungslinien gäbe, ich nenne sie "finale Handlungsszenarien", die auch dann eintreten, wenn wir gar keine Fehler machen.
Wenn wir jederzeit zum Wohle unserer und der nächsten Generationen handeln. Und wenn trotzdem, mit einer gewissen finalen Zielstrebigkeit, die Menschheit im
Verlauf längerer Zeiträume, im Verlauf einiger Jahrhunderte, in Folge gerade dieser Entscheidungen an den Rande ihrer Existenz getrieben wird. Als Folge unserer
eigenen Handlungen. Als Konsequenz von Handlungen, welche zu keinem Zeitpunkt offensichtlich falsch waren oder schlecht durchdacht.
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Der Autor
Prof. Dr. Claudius Gros lehr und forscht am Institut für Theoretische Physik der Universität Frankfurt am Main,
http://www.itp.uni-frankfurt.de/~gros/.
Er engagiert sich zudem für das Stiftungsprojekt "Zukunft 25", das als Plattform für nachhaltiges Handeln und Denken
in langen Zeiträumen dienen soll. Langfristig soll damit die Entwicklung des Lebens, der Menschheit auf der Erde, den Planeten und im Universum
unterstützt werden. Das Projekt wurde von ihm 2003 ins Leben gerufen, http://www.zukunft25.de.
Der Aufsatz
entstammt dem gleichnamigen Vortrag des Autors während eines Workshops im Rahmen des Delfi Netzwerks
(http://www.delfi-network.de) vom 4. bis 5. Juni 2005 in Frankfurt am Main:
"Die Zukunft des Wissens - Eine transdisziplinäre Diskussion über den Aufbruch in die Wissensgesellschaft".
- Der Aufsatz als Pdf-File:
http://www.delfi-network.de/PDF-Data/ dzdw_workshop_2005/final.pdf
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Diese etwas beunruhigende Möglichkeit wollen wir im Folgenden anhand zweier möglicher finaler Handlungsszenarien etwas näher untersuchen. Zuvor
überlegen wir uns noch welche Bedeutungen der Begriff "Untergang der Menschheit" in diesem Zusammenhang annehmen kann.
Katastrophen und Weltuntergänge
Wenn man eines der vielen Bücher liest, welche den Untergang der Menschheit in den nächsten Jahrzehnten oder Jahrhunderten vorhersagen,
dann fällt einem auf, dass die meisten Untergangszenarien nicht sorgfältig durchdacht sind. Häufig werden viele kleine Katastrophen aneinander gereiht
um darzustellen, wie schlimm es mit der Zukunft aussieht. Vorstellbar sind z. B. nukleare Unfälle, potentielle Gefahren der Nanotechnologie, allgemeine
Klimaverschlechterungen mit Hungersnöte, neue Epidemien oder großflächige terroristische Anschläge. Solche Katastrophen können in der Tat eintreten
und werden es höchstwahrscheinlich teilweise auch tun. Doch sie werden die Menschheit nicht auslöschen.
Die Pest hat im Mittelalter mehr als ein Drittel der gesamten europäschen Bevölkerung dahingerafft. Das war entsetzlich, doch es hat die
Europäer nicht daran gehindert sich weiter zu entwickeln. Die Indianer des amerikanischen Kontinents waren genetisch auf die Krankheiten der
spanischen Eroberer nicht vorbereitet und daher nicht gegen deren Pestilenzen immun. Sehr, sehr viele Indianer sind daher an Pocken, Tuberkulose,
Masern und Cholera gestorben, sie wurden praktisch ausgerottet. Und trotzdem, hätten die Europäer den amerikanischen Kontinent nicht besiedelt, die
Bevölkerung der Indianer hätte sich im Laufe der Jahrhunderte wieder erholt.
Um von einem Weltuntergang zu sprechen ist es allerdings nicht notwendig, dass gleich alle Menschen in Folge dieser Katastrophe sterben.
Falls es in Folge einer einzelnen großen Katastrophe, oder in Folge einer Kette von kleineren Katastrophen zu einem globalen Niedergang der
Wirtschaft, der öffentlichen Ordnung und der Kultur sowie von der Zivilisation kommen würde, dann würden sicherlich 95-99 Prozent aller Menschen
sterben. Schlussendlich an Hunger oder schon vorher an anderen Ursachen. Wenn es dann die wenigen überlebenden Menschen nicht schaffen eine
funktionierende Zivilisation aufrecht zu erhalten, es könnte dann Jahrtausende oder auch noch viel länger dauern, bis wieder eine mens hliche Zivilisation
auf diesem Planeten auferstehen würde.
Wir können also aus der Sicht des Menschen zwei Arten von Weltuntergängen unterscheiden:Beim ersten stirbt der Mensch als Gattung aus,
beim zweiten wird unser Zivilisation global und dauerhaft vernichtet, und die überlebenden Menschen fallen auf das Niveau von Jägern und
Sammlern zurück. Es wäre allerdings fair auch dem Rest des Lebens auf unserem Planeten das Recht zuzugestehen noch eine dritte Kategorie
von Weltuntergängen zu definieren. Einen Weltuntergang der dritten Art bei welchem der Mensch zwar überlebt, ein Großteil des Lebens bzw.
der Artenvielfalt jedoch dauerhaft vom Planeten des Lebens verschwindet.
Was könnte einen Weltuntergang der zweiten Art auslösen? Wir wollen uns hier nicht mit den offenkundigen fatalen Folgen eines globalen
atomaren Krieges und dem nachfolgenden nuklearen Winter auseinandersetzen. Dieses Schreckensszenarium ist, und das zu Recht, schon sehr
häufig in Druck und Film diskutiert und dargestellt worden. Hoffentlich wird der Mensch nie Entscheidungen mit so schrecklichen Konsequenzen
treffen. Hier beschäftigen wir uns mit den Folgen langfristiger Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Überlebens han en der Menschheit.
Insbesondere können wir uns zwei Arten von langfristigen Entwicklungsszenarien vorstellen, welche zu einem endgültigen Niedergang der
Menschheit führen könnten. Und diese wollen wir jetzt besprechen:
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