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Ansatzpunkte: Warp-Antrieb und Co.
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Unser Mond ist in wenigen Tagen zu erreichen,
die Planeten unseres Sonnensystems je nach Entfernung und Energieaufwand in Monaten oder Jahren.
Reisen zu Nachbarsternen würden auch mit Fusions- oder Antimaterie-Antrieben
Jahrzehnte dauern. Schnellere Raketen mildern das Zeitproblem etwas, trotzdem müssen
riesige Mengen Treibstoff mitgeschleppt werden, Nachtanken ist nur hier und da möglich,
flexible Flugbahnen sind unmöglich.
Der wissenschaftliche Durchbruch in der Raumfahrttechnik ist daher wünschenswert. Dieser
Durchbruch würde jenseits der heute prinzipiell machbaren Antriebe liegen und vielleicht teilweise den
Wechsel unser physikalischen Grundannahmen fordern. Das solch ein Wechsel möglich ist, zeigt die
Wissenschaftsgeschichte mehrfach. Falls die Lösung des Antriebsproblems existiert,
werden wir sie nicht finden, wenn wir allzu konservativ denken. Welche Ansatzpunkte gibt es?
Auswahl einiger Ansatzpunkte
(nicht unbedingt unabhängig voneinander)
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Der Blick aus dem Raumschiff-Cockpit nahe der Lichtgeschwindigkeit (übertrieben, aber faszinierend).
Das Licht der Sterne erscheint wegen des Doppler-Effekts bläulich. Auch das Licht seitlicher Sterne
trifft das Raumschiff von vorn wie Regentropfen ein fahrendes Auto. Grafik: Nasa Glenn Research Center, Les Bossinas
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1. Allgemein. Das Antriebssystem erzeugt den Vortrieb
durch Wechselwirkung mit seiner unmittelbaren Umgebung (Spacedrive, Raumantrieb, Feldantrieb). Was aber ist die unmittelbare Umgebung
im Vakuum des Weltraums? Zur Umgebung gehören unter anderem der Raum selbst (was auch immer das ist),
wenige Atome oder Moleküle pro Kubikmeter, kosmische Strahlung, elektromagnetische und
Schwerkraft-Felder sowie Vakuumenergie (Nullpunktenergie).
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2. Vakuumenergie. Der Antrieb wird durch Wechselwirkung mit den elektromagnetischen
Nullpunktschwingungen des Vakuums (Vakuumenergie, Nullpunktenergie) erzeugt. Dass so etwas
prinzipiell funktionieren könnte,
haben Jordan Maclay und Robert Forward in ihrer theoretischen Arbeit
A Gedanken Spacecraft that Operates Using the Quantum Vacuum (Dynamic Casimir Effect)
gezeigt (in Foundations of Physics, Vol. 34, March 2004, pp. 477-500).
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In Vorbereitung:
Mehr Infos zum
Casimir-Antrieb ...
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3. Masse als Vakuumeffekt. Schwerkraft und Massenträgheit (Widerstand gegen Beschleunigung) werden beschrieben
als Folge elektromagnetischer Kräfte zwischen den Ladungsträgern der Materie und der
Nullpunktstrahlung des Vakuums (Vakuumenergie, Nullpunktenergie). Zu diesem Thema gibt es bereits
einige viel versprechende wissenschaftliche Untersuchungen. Möglicherweise lassen sich
Methoden finden, mit denen diese Wechselwirkungen - und damit Schwerkraft und Masse - beeinflusst werden können.
(Ein anderer Ansatz, die Massenträgheit zu erklären, wird unter 4. gewählt.)
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4. Das Mach′sche Prinzip. Was ist die Ursache dafür, dass eine Masse einen Widerstand
gegen ihre Beschleunigung erzeugt (Massenträgheit)? Anders herum: Kann die Masse in einem ansonsten
absolut leeren Universum ihre Beschleunigung "spüren"? Wie sollte in einem ansonsten absolut
leeren Universum die Geschwindigkeit oder Beschleunigung der Masse bestimmt werden? Anscheinend geht das nicht,
weil kein Bezugspunkt vorhanden ist.
Das Mach′sche Prinzip (Ernst Mach, 1838 - 1916) sieht die Beschleunigung einer Masse in Bezug auf die
Gesamtheit aller anderen Massen im Universum. Die Ursache der Massenträgheit liegt demnach in
irgendeiner Wechselwirkung der Masse mit allen anderen Massen (anders als unter 3.).
In neueren Arbeiten versuchen James F. Woodward und T. Mahood, diese vage Vorstellung zu konkretisiert.
Sie zeigen, wie die Schwerkraft sämtlicher Massen des Universums zu einer von der
Beschleunigung abhängigen Kraft führen könnte. Woodward leitet daraus
die Möglichkeit ab, die Trägheit einer Masse zu verändern und dadurch einen Antrieb
zu konstruieren.
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Die Seiten von James Woodward liefern weitere Infos:
http://chaos.fullerton.edu/ ~jimw/general/index.htm
Experimentelle Tests werden bereits durchgeführt, bisher ohne abschließendes Ergebnis,
siehe z. B. Tests of Mach′s Principle with a Mechanical Oscillator:
http://www.grc.nasa.gov/ WWW/bpp/pdf/Cramer-JPC.pdf
Ebenso lesenswert: B. Haisch & A. Rueda: The Case for Inertia as a Vacuum Effect:
A Reply to Woodward & Mahood:
http://arxiv.org/pdf/gr-qc/0002069
Oder in: Physics Letters A, Vol. 268 (2000)
Frühere Arbeiten: D. Sciama: On the Origin of Inertia,
Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, Vol. 113, pp. 34-42 (1953);
The Physical Structure of General Relativity,
Reviews of Modern Physics, Vol. 36, pp. 463-469 (1964)
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5. Warp-Antrieb. Selbst in etablierten Wissenschaftskreisen wird der Warp-Antrieb
inzwischen ernsthaft diskutiert. Miguel Alcubierre von der Universität Wales stellte 1994
in Anlehnung an die Sciencefiction-Kultserie Star Trek das physikalische Prinzip des Warp-Antriebs vor.
Dazu betrachtete er eine spezielle blasenartige Verzerrung der Raumzeit. Wegen der extremen
Raumzeit-Stauchung in Bewegungsrichtung und Ausdehnung in Gegenrichtung, könnte sich das
Innere der Blase relativ zum Außenraum schneller als das Licht bewegen - falls die energetischen
Anforderungen drastisch verringert werden können.
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6. Negative Masse. Negative Masse ist nicht dasselbe wie Antimaterie,
denn auch Antimaterie besitzt positive Masse.
Negative Mass ist die Eigenschaft einer hypothetischen Form der Materie,
deren träge und schwere Masse negativ sind. (Die träge Masse charakterisiert
den Widerstand gegen Beschleunigung und die schwere Masse die Fähigkeit, andere Massen
anzuziehen oder von ihnen angezogen zu werden.)
Entdeckt wurde diese Form der Materie bisher nicht. Während eine positive Masse alle anderen Massen
anzieht, stößt eine negative Masse alle anderen Massen ab.
Wenn der Impuls p normaler (positiver) Masse m mit der Geschwindigkeit v gleich mv ist, ist der Impuls
negativer Masse gleich -mv und die kinetische Energie -½mv².
Es wird noch merkwürdiger: Negative Masse beschleunigt entgegen der
Richtung, der auf sie wirkenden Kraft F, a=-m/F! Aus Materie mit diesen Eigenschaften
könnten wir einen Antrieb konstruieren: Bringen wir eine negative Masse in die Nähe
eines Raumschiffs mit positiver Masse, beschleunigen beide Massen stetig in dieselbe Richtung.
Sind beide Massen vom Betrag her gleich, sind auch ihre Beschleunigungen gleich, so dass ihr Abstand
konstant ist. Aufgrund des negativen Vorzeichens der einen Masse bleiben der Gesamtimpuls und die Gesamtenergie
trotzdem konstant null, Impuls und Energie bleiben also erhalten.
Ob negative Masse jemals entdeckt wird, bleibt abzuwarten.
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Literaturhinweise
H. Bondi: Negative Mass in General Relativity, Reviews of Modern Physics,
Vol. 29, No. 3, pp. 423-428 (1957)
F. Winterberg: On Negative Mass Propulsion, International Astronautical Federation Paper 89-668,
40th Congress of the International Astronautical Federation, Malaga, Spain, Oct., 1989
R. L. Forward: Negative Matter Propulsion, Journal of Propulsion and Power,
Vol. 6, No. 1, Jan.-Feb. 1990, pp. 28-37
Robert Zubrin & Stanley Schmidt (Hrsg.):
Islands in the Sky: Bold New Ideas for Colonizing Space, John Wiley & Sons, 1996;
pp. 227-242: The Negative Matter Space Drive (R. L. Forward)
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