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Auf dem Mars gibt es vermutlich einen gefrorenen See so groß wie die Nordsee.
Diesen fantastischen Schluss zieht die Wissenschaftlergruppe der hoch auflösenden Stereokamera HRSC
(High Resolution Stereo Camera) des Mars Express. Der See hat die Maße von etwa 800 mal 900 Quadratkilometern;
seine Tiefe wird auf 45 Meter geschätzt.
Er liegt in der Elysium-Ebene bei 5 Grad nördlicher Breite und 150 Grad östlicher Länge.
Aufgrund der Kraterverteilung wird das Alter des Sees auf etwa 5 Millionen Jahre geschätzt. Er ist also geologisch
sehr jung. Die Studie soll am 17. März 2005 in der Fachzeitschrift Nature erscheinen.
Die HRSC-Bilder erinnern an Eisschollen, die im Meer schwimmen; allerdings ist alles mit Sand bedeckt.
Flüssiges Wasser erwartet auch niemand, denn bei dem niedriegen Luftdruck zwischen 6 und 7 Millibar auf dem Mars
(Erdatmosphäre: über 1000 Millibar auf Meereshöhe) kann Wasser praktisch nur gefroren oder
gasförmig existieren. Auf der Marsoberfläche würde sich Eis schnell verflüchtigen. Wenn
es sich tatsächlich um einen zugefrorenen See handelt, wird das Eis vermutlich durch den Belag,
beispielsweise vulkanische Asche, vor dem Verdunsten oder Sublimieren geschützt.
Alternativ könnten die vermuteteten Eisschollen auch zerbrochene Schollen erkalteter Lavaströme sein.
Aber für die Packeis-Hypothese sprechen folgende Argumente.
Argumente für die Packeis-Hypothese
1. Die Ausmaße der Schollen entsprechen irdischen Eisschollen im Packeis.
2. Die einzelnen Platten auf dem Mars sind etwa hundertmal größer als Lavaschollen auf der Erde.
3. Das Material, in das die Schollen eingebettet sind, hat sich anscheinend um einen erheblichen Betrag gesetzt.
Bei Wasser kann das fehlende Volumen leicht durch Verdunstung erklärt werden, bei fließender Lava nicht.
Beim Erkalten verringert der Lavastromes sein Volumen maximal um etwa ein Prozent.
4. Der vermutete Mars-See zeigt über mehr als 60 Kilometer hinweg nahezu kein Gefälle.
Für einen Lavastrom wäre dies sehr ungewöhnlich.
Falls die Packeis-Hypothese richtig ist, bietet sich der Mars-See als wichtiges Forschungsobjekt an. Zudem
könnte er eine Rohstoffquelle zukünftiger Mars-Astronauten und Siedler sein.
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HRSC-Foto vom 19. Januar 2004 (Orbit 32), aufgenommen aus einer Höhe von etwa 270 Kilometer
(der Bildausschnitt ist etwa 40 Kilometer breit; der Blick geht von Norden nach Süden).
Vermutet wird ein zugefrorener See in der Elysium-Ebene mit Packeis-Strukturen.
Die einzelnen Bruchstücke sind zwischen 30 Meter und bis über 30 Kilometer groß.
An den Umrissen ist zu erkennen, dass sie einst größere Schollen bildeten,
die auseinanderbrachen und in einem fließfähigen Medium voneinander wegdrifteten und rotierten.
Foto: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)
Topographische Karte. Sie zeigt die Lage des vermuteten Mars-Sees im Bereich 5° Nord und 150° Ost in der Ebene
Elysium Planitia. Oben sind rötlich Elysium Mons und Albor Thollus zu sehen. Die Farben geben die Höhen an.
Grafik: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)
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Wissenschaftsteam. Das Kameraexperiment HRSC des Mars Express wird vom Principal
Investigator Prof. Dr. Gerhard Neukum (FU Berlin) geleitet; er hat auch die technische Konzeption der
hochauflösenden Stereokamera entworfen. Das Wissenschaftsteam besteht aus 45 Co-Forschern
aus 32 Instituten und zehn Nationen. Die Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
unter der Leitung Gerhard Neukums entwickelt und in Kooperation mit
industriellen Partnern gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH).
Die Kamera wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Hier erfolgt auch
die systematische Datenverarbeitung und Auswertung. Die obigen Darstellungen wurden vom Institut für Geologische
Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin erstellt.
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