Das Ende der schmutzigen Schneebälle?

Die europäische Kometen-Sonde Rosetta umkreist den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko und ist damit die erste irdische Raumsonde, die einen Kometen aus solcher Nähe untersucht. Das UV-Spektrometer an Bord der Sonde hat Anfang September die ersten wissenschaftlichen Daten geliefert und die beteiligten Wissenschaftler überrascht.

67P/Churyumov-Gerasimenko. Die Nahaufnahme des Kometenkerns mit Rosettas OSIRIS-Kamera vom 6. August 2014 zeigt Felsen, Krater und steile Klippen wie auf der Oberfläche eines Felsplaneten. Foto: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/ISA

67P/Churyumov-Gerasimenko. Die Nahaufnahme des Kometenkerns mit Rosettas OSIRIS-Kamera vom 6. August 2014 zeigt Felsen, Krater und steile Klippen wie auf der Oberfläche eines Felsplaneten. Foto: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/ISA

Nach einer kürzlichen Pressemitteilung [ 1 ] wies das abbildende UV-Spektrometer ALICE des Southwest Research Institute Sauerstoff und Wasserstoff in der Umgebung des Kometen nach. Nachdenklich scheint dagegen eine andere Entdeckung des Instruments zu stimmen. So sagte Dr. Alan Stern, leitender Wissenschaftler der Space Science and Engineering Division des Instituts: „Wir sind etwas überrascht, sowohl über die kaum reflektierende Kometen-Oberfläche als auch über die geringen Anzeichen von freiliegendem Wassereis.“

Überraschend ist auch, dass unter Weltraumwissenschaftlern die Theorie des Kometen als schmutziger Schneeball oder eisiger Schmutzball anscheinend immer noch vorherrscht. Demnach sollen Kometen eher lockere Zusammenballungen aus Eis, Staub und Gesteinsbrocken sein. Ebenso wie Asteroiden denken die meisten Astronomen sie sich als Überreste aus der Entstehungszeit des Sonnensystems, entstanden in den äußeren, kalten Regionen des Sonnensystems, wo reichlich vorhandene Wasserstoff-Verbindungen zu Eis gefroren, insbesondere zu Wassereis.

Die bisherigen Sonden-Missionen zu Kometen zeichnen dagegen ein anderes Bild: Kometen sehen ebenso wie Asteroiden eher aus wie Teile der Oberflächen von Felsplaneten: felsig und fest. Anzeichen von Wasser wurde auf ihnen kaum gefunden. Beispielsweise erbrachte auch die Deep-Impact-Mission der NASA zum Kometen Temple 1 nur geringe Anzeichen von Wasser. Selbst der Einschlag des Impaktors im Jahr 2005 wirkte wie auf einem Felsplaneten. Die Rückführung von Gesteinsstaub vom Kometen Wild 2 durch die NASA-Sonde Stardust im Jahr 2006 bot weitere Überraschungen. Die Wissenschaftler identifizierten im Gesteinsstaub einerseits Mineralien, die üblicherweise in Gegenwart flüssigen Wassers entstehen, und andererseits Mineralien, die sich bei hohen Temperaturen bilden.

Mal sehen, welche Überraschungen die Rosetta-Mission mit ihrem Lander Philae erbringen wird.

Links

[ 1 ] Pressemitteilung des Southwest Research Institute
http://www.swri.org/9what/releases/2014/alice-ultraviolet.htm

DLR: Mission Rosetta
http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10394/

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