Lebenszeichen vom Roten Planeten? Was Bodenproben und Marsmeteoriten verraten

Die Viking-Sonden der NASA haben 1976 erstmals auf dem Mars nach einfachen Lebensformen gegraben. Ob sie sie gefunden haben, ist bis heute umstritten. Marsmeteoriten sind ziemlich selten. Dafür bieten sie den Vorteil, dass sie Marsgestein frei Haus liefern. Beherbergen manche von ihnen Spuren vergangener Mikroorganismen des Mars?

Viking – erste Grabungen im Marsboden

Die Landesonde der Marsmission Viking 1 landete 20. Juli 1976 in der weiten Ebene Chryse Planitia. Ihr Probenarm grub einige Furchen in den Marsboden. Er sammelte hierbei Bodenmaterial und führte es verschiedenen bordeigenen Messeinrichtungen zu. Damit suchten die Wissenschaftler unter anderem nach chemischen Hinweisen auf Mikroorganismen. Die Ergebnisse waren mehrdeutig. Foto: NASA

Die Landesonde der Marsmission Viking 1 landete 20. Juli 1976 in der weiten Ebene Chryse Planitia. Ihr Probenarm (unten, Mitte) grub einige Furchen in den Marsboden. Er sammelte hierbei Bodenmaterial und führte es verschiedenen bordeigenen Messeinrichtungen zu. Damit suchten die Wissenschaftler unter anderem nach chemischen Hinweisen auf Mikroorganismen. Die Ergebnisse waren mehrdeutig. Foto: NASA

Die beiden Viking-Landesonden der NASA setzten 1976 sanft auf dem Mars auf. Dort suchten sie in ihren bordeigenen Messkammern mithilfe chemischer Experimente nach organischen Verbindungen und Hinweisen auf Mikroorganismen im Marsboden. Beispielsweise mischten sie Nährstoffe und Wasser in die Proben des Marsbodens. Eventuell darin lebende Mikroorganismen hätten die Nährstoffe möglicherweise verdaut und Abfallstoffe ihres Stoffwechsels ausgeschieden, etwa Kohlendioxid. Das in der Nährlösung enthaltene radioaktive Kohlenstoff 14 sollte dann in dem Kohlendioxid nachgewiesen werden.

Während zwei der unterschiedlichen Experimente chemische Aktivität im Marsboden anzeigten, wies das Massenspektrometer der Landesonde keine organischen Verbindungen im Marsboden nach. Wissenschaftler der Viking-Mission boten als mögliche Erklärung anorganische und chemisch hoch reaktive Substanzen im Marsboden an, beispielsweise Ozon oder Wasserstoffperoxid.

Möglicher Ursprung hoch reaktiver Substanzen im Marsboden

Theoretische und experimentelle Studien aus dem Jahr 2006 lassen die Quelle solch reaktiver Substanzen vermuten: Möglicherweise werden sie durch die elektrischen Felder der Staubstürme erzeugt. Sie lösen Elektronen aus Atomen und Molekülen der dünnen Marsatmosphäre. Die Elektronen kollidieren mit Wasser- und Kohlendioxid-Molekülen und brechen sie auseinander. Die elektrisch geladenen Bruchstücke reagieren mit anderen Molekülen der Marsatmosphäre und bilden hoch reaktiver Substanzen wie Wasserstoffperoxid. Die Produktionsraten des Wasserstoffperoxids können gemäß der Studien die Raten wesentlich übersteigen, die durch die UV-Strahlung der Sonne hervorgerufen werden. Das Wasserstoffperoxid könnte sich schließlich wie feiner Schnee im Marsboden ausbreiten.

Offene Fragen

Die meisten beteiligten Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass die Viking-Experimente durch anorganische chemische Reaktionen im Marsboden verfälscht wurden. Doch sie werden auch heute noch wissenschaftlich diskutiert: War das Massenspektrometer überhaupt empfindlich genug? Werden organische Verbindungen auf dem Mars durch chemische Reaktionen zerstört, bevor sie nachgewiesen werden können?

Mikroorganismen auf einem anderen Himmelskörper mithilfe eines Roboters nachzuweisen, ist offensichtlich ziemlich schwierig. Eindeutige Messergebnisse sind nicht selbstverständlich. Anorganische chemische Prozesse können teilweise biochemische Vorgänge vortäuschen. Und selbst eindeutig Hinweise auf Lebensformen zeigen unter Umständen nur von der Erde stammende Verunreinigungen an. Daher kann die Flexibilität eines Wissenschaftlers vor Ort bisher nicht durch eine Maschine ersetzt werden. Allerdings kann man auch auf der Erde nach Leben auf dem Mars suchen.

ALH84001 – erste Mikrofossilien vom Mars?

Marsmeteorit ALH84001 ist von einer dunklen Schmelzkruste bedeckt. Foto: NASA/JSC

Marsmeteorit ALH84001 ist von einer dunklen Schmelzkruste bedeckt. Foto: NASA/JSC

Der Meteorit ALH84001 wurde 1984 in der Antarktis gefunden. Im Rahmen des US-amerikanischen Meteoriten-Suchprogramms wurde der knapp 2 kg schwere Brocken dort in der Hügelregion Allan Hills gefunden. Sehr wahrscheinlich stammt er vom Mars. Das verrät seine mineralische Zusammensetzung im Vergleich mit den Fernerkundungsdaten der Sonden Mars Global Surveyor und Mars Odyssey, die den Roten Planeten umkreisen.

Die Zusammensetzung des Meteoriten entspricht die Region Eos Chasma, das ist ein Zweig des gigantischen Schluchtensystems Valles Marineris. Diese Region ist daher zumindest ein möglicher Ursprungsort des Meteoriten. Dort ist auch ein 20 km durchmessender Einschlagskrater zu finden, aus dem der Meteorit ins All geschleudert worden sein könnte.

Erste erstaunliche Ergebnisse

Für weltweites Aufsehen sorgte der ALH84001 im Jahr 1996. Denn mehrere Wissenschaftler veröffentlichten erstaunliche Ergebnisse ihrer zweijährigen von der NASA finanzierten Untersuchung.

Es ist sehr schwierig zu beweisen, dass vor 3,6 Milliarden Jahren Leben auf der Erde existierte, geschweige denn auf dem Mars“, sagte 1996 der an den Untersuchungen beteiligte Chemie-Professor Richard Zare. „Der existierende Beweisstandard, vom dem wir denken, ihn erreicht zu haben, setzt eine genau datierte Probe mit in ihm entstandenen Mikrofossilien voraus, für Leben charakteristischen mineralogischen Merkmalen und Belegen für komplexe organische Chemie.

Auch der damalige US-Präsidenten Bill Clinton betonte die mögliche Bedeutung der Entdeckung:

[…] Es ist es wert, zu bedenken, wie wir diese Entdeckung erreicht haben. Vor mehr als 4 Milliarden Jahre wurde dieser Gesteinsbrocken als Teil der ursprünglichen Marskruste geformt. Nach Milliarden von Jahren brach er von der Oberfläche los und begann eine 16 Millionen Jahre lange Reise durch das All, die hier auf der Erde endete. Vor 13000 Jahren traf er hier ein in einem Meteorschauer. Und 1984 hob ihn ein amerikanischer Wissenschaftler in einem jährlichen Suchprogramm für antarktische Meteoriten auf und nahm ihn mit zur Analyse. Passend war er der erste Gesteinsbrocken, der in diesem Jahr eingesammelt wurde – Gesteinsbrocken Nummer 84001.

Heute spricht Gesteinsbrocken 84001 zu uns durch all die Milliarden Jahre und Millionen von Meilen. Er spricht von der Möglichkeit des Lebens. Wenn diese Entdeckung bestätigt wird, wird sie sicherlich eine der fantastischsten Einsichten in unser Universum sein, die die Wissenschaft jemals enthüllt hat. Ihre Auswirkungen sind so weitreichend und Ehrfurcht gebietend wie man es sich nur vorstellen kann. Auch wenn sie Antworten auf einige unserer ältesten Fragen verspricht, wirft sie andere noch tiefer gehende auf.

Wir werden weiterhin genau zuhören, was sie zu sagen hat, während wir die Suche nach Antworten und nach Wissen fortsetzen, das so alt ist wie die Menschheit selbst, aber wesentlich für unsere Zukunft.

Was fanden die NASA-Wissenschaftler im Innern des Marsmeteoriten?

Marsmeteorit ALH84001. Verschiedene Strukturen in seinem Innern wurden von den untersuchenden Wissenschaftlern als Überreste vergangener Mikroorganismen das Mars gedeutet. Foto: NASA

Marsmeteorit ALH84001. Verschiedene Strukturen in seinem Innern wurden von den untersuchenden Wissenschaftlern als Hinterlassenschaften vergangener Mikroorganismen das Mars gedeutet. Foto: NASA

Sie fanden unter dem Elektronenmikroskop Strukturen, die an Mikrofossilien bakterienartiger Organismen erinnern. Diese Strukturen sind allerdings viel kleiner als herkömmliche irdische Bakterien. Solche „Nanobakterien“ wurden zwar auch auf der Erde entdeckt, doch ob dies tatsächlich Lebewesen sind oder beispielsweise Strukturen aus Mineralien und organischen Molekülen sind ist umstritten.

Im Meteoriten sind Eisensulfide und Magnetitkristalle eingebettet, wie sie auf der Erde von unter anderem von anaeroben Bakterien produziert werden. Diese Einschlüsse wurden in unmittelbarer Nähe der fossilienartigen Strukturen gefunden.

Ebenfalls im Bereich der vermeintlichen Mikrofossile fanden die Forscher polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe oder kurz PAK. Das ist eine Stoffgruppe komplexer organischer Kohlenwasserstoffverbindungen, die nach dem Tod von Mikroorganismen entstehen. Während sie auf der Erde in tausenden von Varianten auftreten, sind im Meteoriten nur wenige vorhanden.

Die Forscher schließen weitgehend aus, dass es sich um irdische Verunreinigungen handelt, da die vermeintlichen Mikrofossilien, PAK, Eisensulfide und Magnetitkristalle unter Laborbedingungen in frischen Bruchstellen des Meteoriten gefunden wurden. Sie konzentrieren sich im Bereich der vermeintlichen Mikrofossilien und wurden nicht in der Meteoritenkruste gefunden. Die organischen Verbindungen waren in Carbonaten eingeschlossen, deren Alter anhand radioaktiver Zerfallsprodukte auf 3,6 Milliarden Jahre bestimmt wurde.

Organisch oder anorganisch entstanden?

Sind die im Meteoriten gefundenen Merkmale tatsächlich Spuren ehemaliger Mikroorganismen vom Mars? Die Antwort auf diese Frage war in der wissenschaftlichen Welt bald umstritten. Denn wie so häufig, wenn wissenschaftliches Neuland betreten wird, können die Daten unterschiedlich gedeutet werden.

Die im Meteoriten gefundenen Strukturen und Verbindungen müssen nicht zwangsläufig das Produkt von Mikroorganismen sein. Es wird diskutiert, unter welchen Bedingungen sie durch anorganische physikalische und chemische Prozesse entstanden sein können. Bemerkenswert ist auf jeden Fall, die Konzentration unterschiedlicher Merkmale – die von Mikroorganismen stammen könnten – innerhalb ein und desselben Meteoriten. Schließlich können die unterschiedlichen Merkmale nur dann anorganisch entstanden sein, wenn für sie alle gleichermaßen geeignete Bedingungen geherrscht haben.

ALH84001 sollte nicht der einzige Marsmeteorit mit mikrofossilartigen Einschlüssen bleiben.

Der Nakhla-Meteorit – Wasser, Kohlenstoff und Mikrotunnel

Der Meteorit wurde benannt nach dem ägyptischen Dorf El Nakhla el Baharia nahe Alexandria, wo am 28. Juni 1911 seine Bruchstücke vom Himmel fielen. Mehrere dieser Bruchstücke befinden sich im Naturhistorischen Museum in London.

Proben des Nakhla-Meteoriten wurden mehrfach von Wissenschaftlern untersucht. Darunter waren auch NASA-Wissenschaftler, die wenige Jahre zuvor vermeintliche Mikrofossilien im Meteoriten ALH84001 entdeckt hatten. Etwa ein Jahrhundert nach dem Einschlag des Nakhla-Meteoriten brachte er schließlich neuen Schwung in die Diskussion um Leben auf dem Mars. Drei Merkmale machen den Meteoriten in dieser Hinsicht interessant.

Hinweise auf feuchten Ursprung

Der Nakhla-Meteorit ist der erste Marsmeteorit an dem sich Veränderungen durch eine feuchte Umgebung auf dem Mars ablesen lassen. Seit 1975 ist bekannt, dass er Carbonate und wasserhaltige Mineralien enthält, die sich in Wasser bilden. Auch nachdem sich das Meteoritengestein gebildet hatte, war es anscheinend Wasser ausgesetzt gewesen und lagerte dadurch zusätzliche Mineralien an. Die Carbonate des Nakhla-Meteoriten enthalten ebenso wie die des ALH84001 im Vergleich mit irdischen Carbonaten mehr Kohlenstoff 13. Die ist ein Hinweis auf ihre Herkunft vom Mars.

Aminosäuren im Meteoriten

Der Nakhla-Meteorit enthält zudem zahlreiche unterschiedliche Aminosäuren, die 1999 nachgewiesen wurden. Ihre Typen und ihre mengenmäßigen Anteile entsprechen bakteriell zersetzten irdischen Ablagerungen. Sie scheinen daher von der Erde zu stammen, auch wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass manche Aminosäuren bereits im Meteoriten zur Erde gelangten.

Überreste nicht irdischer Bakterien?

Elektronenmikroskopische Aufnahme einer Probe des Nakhla-Meteoriten. Winzige Poren sind mit kohlenstoffhaltigem Material gefüllt. In irdischem Gestein werden solche Strukturen durch Gestein zersetzende Bakterien erzeugt. Foto: NASA/David McKay

Elektronenmikroskopische Aufnahme einer Probe des Nakhla-Meteoriten. Winzige Poren sind mit kohlenstoffhaltigem Material gefüllt. In irdischem Gestein werden solche Strukturen durch Gestein zersetzende Bakterien erzeugt. Foto: NASA/David McKay

Im März 2006 wurden im texanischen Houston auf der 37th Lunar and Planetary Science Conference die interessantesten und umstrittensten Merkmale des Nakhla-Meteoriten diskutiert. Sie wurden per Lichtmikroskop, Elektronenmikroskop, Massen- und Laser-Raman-Spektroskopie gefunden. Die Analyse des Inneren des Meteoriten enthüllte mikroskopisch feine Tunnel und Poren, die mit einer Mischung verschiedener Kohlenstoffverbindungen gefüllt waren. Teilweise bildete dieses Material sich verzweigende, baumartige Strukturen. Die untersuchenden Wissenschaftler vermuten, dass das kohlenstoffhaltige Material Überreste von Bakterien sind. Denn es ähnelt den Spuren, die auch Gestein zersetzende Bakterien in irdischem Gestein hinterlassen.

Irdische Verunreinigungen durch die Probenvorbereitung des Gesteins schlossen die Forscher aus. Denn sie untersuchten auch die Mengenverhältnisse zwischen Kohlenstoff und Stickstoff sowie der Kohlenstoffisotope untereinander. Diese unterschieden sich deutlich für das Material im Meteoriten und für Material, dass durch die Probenvorbereitung eingebracht worden sein könnte.

Mehrdeutige Mikrostrukturen

Die wissenschaftliche Debatte um die Aussagekraft der Mikrostrukturen ergab kein eindeutiges Ergebnis. Die Mikrotunnel und kohlenstoffhaltigen Poren im Nakhla-Meteoriten war den meisten Wissenschaftlern kein ausreichender Beleg für ehemalige Mikroorganismen vom Mars. Denn gleichartige Formen müssen nicht unbedingt den gleichen Ursprung haben, und Kohlenstoff gehört zu den häufigsten Elementen im Universum.

Aber: Gleichartige Mikrotunnel gibt es im Meteoriten Yamato000593, der in der Antarktis gefunden wurde. Kann ein Meteorit, der vor einigen Tausend Jahren in der Antarktis einschlug, gleiche irdische Verunreinigungen aufweisen wie ein Meteorit, der vor etwa 100 Jahren in Ägypten niederging? Da dies sehr unwahrscheinlich ist, waren sich die Wissenschaftler soweit einig, dass die mikroskopischen Tunnel im Meteritengestein auf dem Mars entstanden sind, wie auch immer.

Yamato000593 – Wasser, Kohlenstoff und Mikrotunnel

Der fast 14 kg schwere Marsmeteorit wurde im Dezember 2000 von einer japanischen Forschungsexpedition im antarktischen Yamato-Gletscher gefunden. Analysen ergaben, dass das Gestein vor etwa 1,3 Milliarden Jahren auf dem Mars durch Lava gebildet wurde. Vor etwa 12 Millionen Jahren schleuderte ihn der Einschlag eines Himmelskörpers in den Weltraum. Dort trieb er herum, bis er vor etwa 50000 Jahren in der Antarktis niederging.

Zwei Forscherteams der NASA fanden in dem Meteoriten Besonderheiten, die bereits im Nakhla-Meteoriten aufgefallen waren. Typische Veränderungen in seinen Tonmineralien deuten auf den Einfluss von Wasser auf dem Mars hin. Außerdem entdeckten die Wissenschaftler Mikrotunnel, die den Spuren irdischer Bakterien in Basalt-Gestein ähneln. Zwischen Gesteinsschichten des Meteoriten steckten wie im Sandwich zahlreiche Mikrokügelchen, die deutlich mehr Kohlenstoff enthielten, als das umgebende Gestein und sich auch sonst von diesem unterschieden.

Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Bruchstücks des Marsmeteoriten Yamato000593. Die Kügelchen sind in eine Schicht Iddingsit eingebettet; Iddingsit ist ein Mineralgemenge, das sich in feuchter Umgebung bildet. Die rot markierten Kügelchen enthalten etwa einen doppelt so hohen Anteil an Kohlenstoff wie das blau markierte Gebiet ohne Kügelchen. Foto: NASA

Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Bruchstücks des Marsmeteoriten Yamato000593. Die Kügelchen sind in eine Schicht Iddingsit eingebettet; Iddingsit ist ein Mineralgemenge, das sich in feuchter Umgebung bildet. Die rot markierten Kügelchen enthalten etwa einen doppelt so hohen Anteil an Kohlenstoff wie das blau markierte Gebiet ohne Kügelchen. Foto: NASA

Elektronenmikroskopische Aufnahme einer polierten Probe des Marsmeteoriten Yamato000593. Die zahlreichen Mikrotunnel ähneln Strukturen in irdischem Basalt-Gestein, die durch Gestein zersetzende Bakterien erzeugt werden. Ähnliche Strukturen sind auch im Nakhla-Meteoriten zu finden. Foto: NASA

Elektronenmikroskopische Aufnahme einer polierten Probe des Marsmeteoriten Yamato000593. Die zahlreichen Mikrotunnel ähneln Strukturen in irdischem Basalt-Gestein, die durch Gestein zersetzende Bakterien erzeugt werden. Ähnliche Strukturen sind auch im Nakhla-Meteoriten zu finden. Foto: NASA

Noch kein Beweis für Mikroorganismen auf dem Mars

Die Zusammensetzung und Struktur dieser Merkmale ähnelt zwar den Hinterlassenschaften irdischer Mikroorganismen. Doch auch geochemische Ablagerungssprozesse können Strukturen im Gestein erzeugen, die den Spuren von Mikroorganismen ähneln. Allgemein gilt daher unter Astrobiologen, dass allein die Ähnlichkeit zur Gestalt bekannter Lebensformen oder ihrer Spuren kein Beweis für außerirdische Mikroorganismen ist.

Aber immerhin…

Mikrotunnel und Umwandlungsprozesse durch Wasser wurden somit in mindestens zwei Mars-Meteoriten gefunden, die in völlig unterschiedlichen Regionen der Erde niedergegangen sind, in der Antarktis und in Agypten. In Meteoriten, die nicht vom Mars stammen, sind dagegen bisher keine der beschriebenen Merkmale entdeckt worden. Daher nehmen die Forscher an, dass sie keine Folge irdischer Verwitterung sind, sondern dass sie auf dem Mars entstanden sind – wie auch immer.

Wie erkennt man ehemalige Mikroorganismen in Gesteinsproben?

Niemand weiß, wie eventuelles früheres Leben auf dem Mars aussah. Ähnlich wie Bakterien, Flechten, Pilze oder ganz anders? Selbst frühes irdisches Leben nachzuweisen ist nicht einfach. Was hatte es für chemische und physikalische Eigenschaften, und was ist davon in Milliarden Jahre altem Gestein übriggeblieben? Komplexe Biomoleküle wie die DNS als Träger der Erbinformation sind im Gestein bereits zerfallen. Die Astrobiologie stützt sich zum Nachweis früheren Lebens in Gesteinsproben bisher i.W. auf die Merkmale und Methoden, die zum Nachweis frühen irdischen Lebens genutzt werden:

  • Kann die Entwicklungsgeschichte des Gesteins Leben (wie wir es kennen) überhaupt ermöglicht haben, z.B. durch feuchte Umgebung, gemäßigte Temperaturen?
  • Passt das Alter des Gesteins und seine Lage in der geologischen Schichtung zu eventuellem Leben?
  • Weist die Probe zelluläre Formen und Kolonien auf?
  • Enthält die Probe Mineralien im chemischen oder mineralischen Ungleichgewicht, die von Lebewesen gebildet werden?
  • Enthält die Probe Isotope mit Häufigkeitsverhältnissen, die für Lebewesen typisch sind?
  • Enthält die Probe organische Substanzen, die für Lebewesen typisch sind (Biomarker)?
  • Gehören die obigen Merkmale zum ursprünglichen Gestein und wurden nicht nachträglich eingebracht, etwa durch Verunreinigungen oder Verwitterung?

Das Gestein muss möglichst alle diese Merkmale erfüllen, damit sie als Nachweis früheren Lebens anerkannt werden.

Links

Marsmeteoriten allgemein

NASA: Mars Meteorites
http://www2.jpl.nasa.gov/snc/index.html

Zum Problem des Nachweises fossiler Mikroorganismen

Juan-Manuel Garcia-Ruiz: Morphological behavior of inorganic precipitation systems; Proc. SPIE 3755, Instruments, Methods, and Missions for Astrobiology II, 74, December 30, 1999, doi:10.1117/12.375088
http://proceedings.spiedigitallibrary.org/proceeding.aspx?articleid=995013

Agresti et al.: Detection and geochemical characterization of Earth’s earliest life; NASA Astrobiology Institute, December 3, 2008
http://astrobiology.ucla.edu/pages/res3e.html

J. William Schopf et al.: Evidence of Archean life: Stromatolites and microfossils; Research 158, p. 141–155, April 28, 2007
http://www.cornellcollege.edu/geology/courses/greenstein/paleo/schopf_07.pdf

E. K. Gibson Jr. et al.: Evidence for ancient Martian life; NASA Johnson Space Center, Houston, Texas, 1999(?)
http://mars.jpl.nasa.gov/mgs/sci/fifthconf99/6142.pdf

Viking

Gregory T. Delory et al.: Oxidant Enhancement in Martian Dust Devils and Storms: Storm Electric Fields and Electron Dissociative Attachment; Astrobiology, 2006, 6(3): 451-462, doi:10.1089/ast.2006.6.451
http://online.liebertpub.com/doi/abs/10.1089/ast.2006.6.451

Sushil K. Atreya et al.: Oxidant Enhancement in Martian Dust Devils and Storms: Implications for Life and Habitability; Astrobiology, 2006, 6(3): 439-450, doi:10.1089/ast.2006.6.439
http://online.liebertpub.com/doi/abs/10.1089/ast.2006.6.439

ALH84001

David S. McKay et al.: Search for Past Life on Mars: Possible Relic Biogenic Activity in Martian Meteorite ALH84001; 16 August 1996: Vol. 273 no. 5277 pp. 924-930, doi: 10.1126/science.273.5277.924
http://www.sciencemag.org/content/273/5277/924

Nakhla-Meteorit

Daniel P. Glavin et al.: Amino acids in the Martian meteorite Nakhla; 1999 96 (16) 8835-8838; doi:10.1073/pnas.96.16.8835
http://www.pnas.org/content/96/16/8835.full

D. S. McKay et al.: Observation and Analysis of In Situ Carbonaceous Matter in Nakhla (Part I); in: 37th Annual Lunar and Planetary Science Conference, March 13-17, 2006, Houston, Texas, USA
http://adsabs.harvard.edu/abs/2006LPI….37.2251M

E. K. Gibson Jr.: Observation and Analysis of In Situ Carbonaceous Matter in Nakhla (Part II); in: 37th Annual Lunar and Planetary Science Conference, March 13-17, 2006, Houston, Texas, USA
http://adsabs.harvard.edu/abs/2006LPI….37.2039G

BBC News: Space rock re-opens Mars debate – February 8, 2006
http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/4688938.stm

Yamato000593

NASA Scientists Find Evidence of Water in Meteorite, Reviving Debate Over Life on Mars
http://www.jpl.nasa.gov/news/news.php?release=2014-065&1

M. WhiteLauren et al.: Putative Indigenous Carbon-Bearing Alteration Features in Martian Meteorite Yamato 000593; Astrobiology, Volume 14, Issue 2, February 19, 2014, p. 170-181, doi:10.1089/ast.2011.0733
http://online.liebertpub.com/doi/abs/10.1089/ast.2011.0733

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>